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Das Supertalent: Lennard Kämna

06.11.2015
Lennard Kämna im Portrait. Mit Fotos und allen Infos.

Portrait über einen der besten deutschen Nachwuchsfahrer

Lennard Kämna darf erst seit kurzem Autofahren, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass ihm eine große Radsportkarriere bevorsteht. Das Talent aus Fischerhude bei Bremen besitzt gute Fähigkeiten am Berg und ist ein exzellenter Zeitfahrer.

Er hat die idealen Voraussetzungen, einmal ein guter Klassementfahrer zu werden. Wer mit ihm spricht, spürt, dass er ein feinsinniger Mensch ist, sensibel, hinterfragend. Keiner, der auf den Putz haut und übermütig wird, wenn es gut läuft. Denn das ist es, was seit zwei Jahren passiert. 2014 gewann Lennard Kämna alle wichtigen Rennen der Saison. Er wurde Deutscher Meister im Zeitfahren, Europameister, Weltmeister. Das ließ schon erahnen, was für ein Rennfahrer da heranwächst. Dann kam der Winter, viele öffentliche Termine, Radsportler des Jahres, die Vorbereitungen auf das Abitur, das in in diesem Frühjahr erwab. „Es war ein wenig stressig in den letzten Monaten. Ich bin froh, dass ich mich jetzt aufs Radfahren konzentrieren kann“, sagte Kämna bei der DM in Einhausen, wo er in seiner Spezialdisziplin, dem Zeitfahren, Deutscher Meister der U23 wurde. Und das mit 18 Jahren, in seinem ersten Jahr als U23 Fahrer. Das hat nicht einmal Tony Martin geschafft. Martin war „schon“ 21, als er seinen ersten DM-Titel  in der U23-Klasse gewann. Kämna ließ alle hinter sich, auch seinen Teamkollegen Nils Politt, den Titelverteidiger. „Dass ich ihn schlagen würde, damit hatte ich ehrlich nicht gerechnet“, zeigte sich Kämna nach dem Rennen überrascht. Zuvor hatte er sich bereits in der Bayern-Rundfahrt mit Platz 14 im Gesamtklassement gegen internationale Profikonkurrenz behauptet. Seinen ersten Saisonsieg feierte er beim Bundesligarennen in Auenstein.

Kämna legte den Grundstein in Cottbus - wie einst Tony Martin

Kämna hat vier Jahre lang das Sportgymnasium in Cottbus besucht und gehörte zur Trainingsgruppe des RSC. Dort kam er in die Obhut von Rainer Gatzke. Im ersten Juniorenjahr konnte man sein Talent nur erahnen, aber im Winter trainierte er härter und effektiver und setzte im Frühjahr 2014 ein erstes Ausrufezeichen mit seinen beiden Etappensiegen bei der Cottbuser Juniorenfahrt. Die ist international bedeutungslos, „aber die Art und Weise, wie er gewonnen hat, hat meine Einschätzung bestätigt“, erinnert sich  Gatzke, der nach wie vor mit ihm arbeitet. In dem nur zehn Kilometer langen Einzelzeitfahren hat er damals der Konkurrenz 30 Sekunden abgejagt. Es folgten Etappensiege bei der Istrien-Rundfahrt und der Trofeo Karlsberg, der Sieg beim Grand Prix Rüebliland und der Gewinn von zwei deutschen Meistertiteln: im Einzelzeitfahren und am Berg. Er dominierte die Rad-Bundesliga und wurde Europameister im Zeitfahren und schließlich Weltmeister. „Ich liebe diese Einzeldisziplin, weil das ein fairer Kampf ist und nicht vom Glück abhängt“, sagt Kämna. 

Gatzke sieht in ihm trotzdem nicht den typischen Zeitfahrer, nicht den neuen Tony Martin. „Man kann ihn nicht mit Tony vergleichen. Lennard ist ein anderer Fahrertyp, eher ein Straßen- und Rundfahrer.“ Das bestätigt auch Bundestrainer Ralf Grabsch: „Er hat die körperlichen Voraussetzungen, um bei  Etappenrennen vorne mitzufahren.“

Behutsamer Aufbau

Druck lässt sich Kämna nicht machen, er plant seine Karriere mit Ruhe und Bedacht. „Ich möchte mich kontinuierlich steigern und irgendwann in der Weltspitze der U23 etablieren“, setzt er sich aber klare Ziele, für die er hart arbeitet. „Ich denke, dass ich sehr fleißig und ehrgeizig trainiere“, sagt der 18-Jährige. „Ein bisschen Talent werde ich wohl auch haben“, fügt er schmunzelnd hinzu. 

Beim Team Stölting, in das er zu Jahresbeginn wechselte, traf er auf den erfahrenen Coach Jochen Hahn, der ihn behutsam in die Rennszene der U23 einführte. „Ich will meine Zeitfahrstärke behalten, mich aber insgesamt mehr in die Richtung Rundfahrer entwickeln. Und im Team Stölting bekomme ich diese Möglichkeiten“, erklärte Kämna Anfang des Jahres seinen Wechsel und bekennt, dass das Interesse an seiner Person gestiegen ist. „Einige melden sich, wollen mit mir zusammenarbeiten.“ Aber noch ist die Rolle des Managers unbesetzt.

Sein erstes Jahr in der Kategorie U23 verlief vielversprechend. Auch bei der Profi-Rundfahrt Baltic Chain Tour, die er im August bestritt, war er zufrieden mit seiner Leistung. „Es war eine große Erfahrung. Ich habe gemerkt, dass ganz oben doch anders Rad gefahren wird“, beschreibt er den ungleichen Wettkampf im Peloton mit Top-Profis wie Tour-Etappensieger Zdenek Stybar oder dem letztjährigen Tour-Siebten Leopold König. „Aber ich war zufrieden. So wie überhaupt mit dem ganzen Jahr. So einen Einstieg in die U23-Klasse hatte ich mir insgeheim erhofft“, bekennt Kämna, der seine Saison mit einem guten Resultat bei der Straßen-WM in den USA krönen will. ||||

Quelle: 

Foto: Cor Vos

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