Race



Vier gewinnt: Die Équipe Hubert Schwarz beim Race Across America

22.09.2014

Unter dem Motto „Alter hat Klasse“ bewältigte das Team - Équipe Hubert Schwarz - den härtesten Radmarathon der Welt in neuer Rekordzeit.

Beim legendären Race Across America (RAAM), einem knapp 5000 km langen Radmarathon von der West- zur Ostküste der USA, hat Die Équipe Hubert Schwarz einen großen Erfolg gefeiert. Das Vierer-Team mit Hans Glatt (56), Janusz Piatkowski (60), Hans Schuhbauer (62) und Hubert Schwarz (59) bewältigte die extremen Herausforderungen dieses Nonstop-Rennens durch neun US-Bundesstaaten in neuer Rekordzeit: Die Bestmarke in der Altersklasse der 60- bis 69-Jährigen steht nunmehr bei 6 Tagen, 14 Stunden und 18 Minuten.

Angetreten unter dem Motto „Alter hat Klasse“, zeigten die vier erfahrenen Ausdauerathleten bei extremer Hitze, starken Winden, schwierigen Anstiegen und rasanten Abfahrten in der Tat eine reife Leistung. „Wir haben nicht nur unser sportliches Ziel erreicht“, blianziert Hubert Schwarz, „sondern auch gezeigt, dass man im fortgeschrittenen Alter sehr wohl noch Spitzenleistungen bringen kann, wenn man denn hart an sich arbeitet.“

Teamleader Hubert Schwarz, der das RAAM 1991 als erster Deutscher solo bewältigte und das Rennen hierzulande populär gemacht hat, stellte sich im Sattel gleich der ersten großen Herausforderung. Nach dem Start in Oceanside (Kalifornien), wo die Sportler noch die kühle Pazifik-Brise genießen können, geht es sofort Richtung Osten hinauf ins Küstengebirge, wo bei brüllender Hitze der Schweiß in Strömen fließt, auch wenn man kein Rad bewegt. „Hier stößt man schnell an Grenzen“, weiß Hubert Schwarz, „ nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man hat noch keinen richtigen Rhythmus, ist schnell erschöpft und hat fast noch die ganze Distanz vor sich – rund 4800 Kilometer.“

Aber der 59-Jährige, der das RAAM insgesamt dreimal als Solist meisterte, musste sich diesmal nicht alleine durchschlagen, sondern konnte sich im Sattel mit drei bärenstarken Ausdauerspezialisten abwechseln. Das Vierer-Team splittete sich in zwei Zweier-Teams auf, die jeweils längere „Schichten“ fuhren. Während Hubert Schwarz und Janusz Piatkowski wechselweise im Sattel ihre Arbeit verrichteten, konnten Hans Glatt und Hans Schuhbauer im Wohnmobil pausieren – und umgekehrt. Neben der effizienten Organisation kamen bei der Rekordfahrt auch die individuellen Stärken der Sportler zum Tragen: Hubert Schwarz war ein Wunder an Konstanz – trotz schmerzhafter Rippenprellung, die er sich beim Training zugezogen hatte.; Janusz Piatkowski ließ bei risikoreichen Abfahrten keine Sekunde Zeit liegen, Hans Schuhbauer „flog“ förmlich über die Berge und Hans Glatt hielt stets das Tempo und die Stimmung hoch – mit bulligem Antritt und flotten oberbayerischen Sprüchen.

Auf ihrem weiteren Weg nach Osten lief es für die Équipe zunächst wie am Schnürchen. Rückenwind half bei der Hatz durch die Wüstengebiete Arizonas, Monument Valley wurde bei Nacht durchquert. Dadurch entging Fahrern und Crew zwar ein großartiges Landschaftserlebnis, aber man lag optimal im Zeitplan. Am nächsten Tag dann ein kompletter Szenenwechsel: Colorado, Wolf Creek Pass. Es ging hinauf zum höchsten Punkt der Strecke, auf über 3000 Meter. Hubert Schwarz kämpfte sich über die erste Rampe: „Durch die breite Schlucht fegte ein stürmischer Wind – es war einfach zermürbend. Zum Glück konnte ich an Hans Schuhbauer übergeben. Der ist wirklich ein Meister im Klettern und hat den Pass fast im Alleingang bezwungen.“

Auf die Berge Colorados folgten dann die konturlosen Weiten von Kansas. Abgemähte Felder, soweit das Auge reicht, mächtige Getreidesilos, Hitze – und natürlich Wind, meist von der Seite. Die Équipe kam nicht mehr so gut voran wie zu Beginn. Hubert Schwarz: „Solche Durststrecken prägen das RAAM. Man muss sie überwinden wollen, darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Auch in Missouri, wo viel sattes Grün für schwüle Hitze sorgt, wurde es nicht besser. Die verwinkelte Streckenführung sorgte fast zwangsläufig für kleine Navigationsfehler, die Zeit kosteten. „Die 4000 Kilometer, die wir da schon zurückgelegt hatten, steckten allen in den Knochen: Fahrern und Crew“, so Schwarz.

Es gab aber keine Zeit zum Durchschnaufen. Denn beim RAAM stehen die Räder nie still. Als die Équipe den Fuß der Apallachen erreichte – das Mittelgebirge, das sich wie eine riesige Hürde vor dem Ziel an der Ostküste aufrichtet –, „mussten wir uns etwas einfallen lassen“, erinnert sich Hubert Schwarz. „Sonst hätten wir den Rekord nicht geschafft.“ Die Fahrer wurden nun konsequent so eingeteilt, dass Hans Schuhbauer seine Klasse auf den vielen Anstiegen ausspielen konnte, während die anderen drei auf Abfahrten und flachen Passagen noch einmal so richtig Gas geben sollten. „Ich glaube, wir haben alle unser letztes Hemd gegeben. Und da war ein Team-Spirit zu spüren, der vor allem uns Ältere auszeichnet“, ist Hubert Schwarz überzeugt. In den letzten 24 Rennstunden der Équipe gab es dann auch keine Ruhephasen mehr im Wohnmobil. Alle Fahrer wechselten sich in kurzen Intervallen im Sattel ab – bis im Morgengrauen das Ziel in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland erreicht war.

6 Tage, 14 Stunden und 18 Minuten für 4800 Radkilometer: „Dieser RAAM-Rekord in der Altersklasse der 60- bis 69-Jährigen gehört nicht nur uns Fahrern“, betont Hubert Schwarz. „Ohne unsere 11-köpfige Crew, die uns rund um die Uhr versorgt und sicher über die Strecke geleitet hat, wären wir chancenlos gewesen. Es war eine gewaltige Teamleistung, auf die wir alle stolz sein können und die hoffentlich auch andere inspiriert, ähnliches zu wagen!“

 

 

 

 

„Ehrgeizige Ziele sind wie ein Jungbrunnen“ ein Interview von Hubert Schwarz über seine Motivation, sich mit 60 Jahren den Strapazen einer Rekordfahrt beim Race Across America (RAAM) zu unterwerfen.

 

Herr Schwarz, warum sind Sie mit 60 beim härtesten Radmarathon der Welt auf Rekordjagd gegangen? Die meisten lassen es in diesem Alter ruhiger angehen …

Ich fühle mich mit knapp 60 einfach noch richtig fit. Viel von dieser Kraft ist den letzten Jahren allerdings in den Aufbau des Unternehmens geflossen, das ich gemeinsam mit meiner Frau Renate führe. Mit Motivationsvorträgen, Gesundheits- und Teambuilding-Seminaren, mit Fitness-Events und Abenteuerreisen wollen wir „Menschen bewegen“. Bei dieser – erfolgreichen – Arbeit ist mir aufgefallen, dass immer mehr ältere Menschen nach neuen Herausforderungen und Zielen suchen oder im beruflichen Umfeld mit einem erhöhten Leistungsdruck zurechtkommen müssen und dies auch wollen. Jenseits der 50 herrscht nach meiner Erfahrung eine regelrechte Aufbruchstimmung. Da ich nun selbst zu dieser Generation zähle, schien mir an der Schwelle zum 60. das RAAM der richtige Weg, um mal ein richtiges Ausrufezeichen zu setzen: dass auch wir Älteren noch zu absoluten Höchstleistungen fähig sind, wenn man denn bereit ist, hart an sich zu arbeiten. Das ist uns, denke ich, mit dem Vierer-Team beim RAAM eindrucksvoll gelungen.

 

Welche Bedeutung hat es für Sie, den Streckenrekord gebrochen zu haben?

Solche Rekorde sind ja nicht für die Ewigkeit. Womöglich wird unsere Zeit schon im nächsten Jahr von einem anderen Vierer-Team unterboten. Aber für mich und meine Mitstreiter war es enorm wichtig, den Streckenrekord im Visier zu haben. Nur so konnte  – gemessen an den Fähigkeiten, die wir als routinierte Ausdauersportler mitgebracht haben – Höchstleistung entstehen. Die Zahlen, die diesen Rekord beschreiben sind wohl schnell vergessen. Was bleibt, ist das – wertvolle – Gespür für Einsatzwille und Leidenschaft. Man darf auch im Alter nicht aufhören, sich ehrgeizige Ziele zu setzen. Sie spornen uns an, sie halten uns in Bewegung. Das ist schlicht und ergreifend: gesund! Für mich sind ehrgeizige Ziele wie ein Jungbrunnen. Sie zu erreichen, setzt unglaubliche Glücksgefühle frei und schweißt Teams fest zusammen. 

 

Dann darf man vom Extremsportler Hubert Schwarz auch jenseits der 60 noch einiges erwarten …

Natürlich werde ich mich immer wieder neuen Herausforderungen stellen und versuchen, ein Beispiel zu geben. Aber für mich gilt es auch, die Balance zu wahren – zwischen sportlichen Abenteuern, Unternehmertum und Familienleben. Gerade meiner Frau Renate habe ich da viel zu verdanken. Sie ist nicht nur moralische Stütze, sondern wacht als Gesundheitsexpertin auch über meine Fitness und gesunde Ernährung. Dass wir auch mal wieder die Zeit finden für ein gemeinsames Abenteuer im Sattel – das gehört in nächster Zukunft ganz sicher zu meinen ehrgeizigen Zielen!

Quelle: 

Foto: Jörg Wurdak