Reise

Eine Radreise ins Pinzgau

30.04.2014

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Im Angesicht hoher Berge kann man sich als Mensch kaum kleiner fühlen. In Saalfelden am Steinernen Meer ist das so. Ringsherum stehen diese Berge mit ihrer teils grauen, schroffen Oberfläche. Die anderen sind weiß vom Schnee, die Liftanlagen zeigen an, dass hier Ski gefahren wird. Das kann man auch daran erkennen, dass selbst bei frühlingshaften Temperaturen Menschen in dicken Klamotten und kompletter Skiausrüstung an der Bushaltestelle stehen. Wir wollen nicht Ski fahren, wir wollen von Saalfelden aus mit dem Rennrad ein paar Runden drehen.
Unser Ausgangspunkt: direkt gegenüber der Skisprungschanze. Dort steht der Saliterhof, der seinen Namen vom Salpeter hat. Früher wurde hier Salpeter abgebaut, heute lebt die Region hauptsächlich vom Tourismus.
 

Traumhafter See
Die erste Tour soll nicht zu lang sein und auch nicht zu bergig. „Ich empfehle euch die Runde über den Filzensattel“, sagt Erwin Kaindl. Der Geschäftsführer und Koch vom Saliterhof ist selbst Triathlet und kennt die Berge und Straßen im Pinzgau genau. Deshalb folgen wir seinem Tipp und fahren erst mal Richtung Süden. Über Maishofen, wo es rechts ins bekannte Skigebiet Saalbach Hinterglemm gehen würde, fahren wir weiter nach Zell am See. An beiden Seeseiten kann man fahren, an beiden Seeseiten findet man teure Villen. Zum Teil sind das alte Landhäuser, zum Teil auch neue Luxusbauten. Die Gründe, warum hier nur der Geldadel bauen kann, sind so klar wie das Wasser im Zeller See. Die Aussicht ist fantastisch und die Spiegelungen der weißen Berggipfel im Wasser ihr Geld wert. Wenn man es denn hat. Nur schauen und nicht wohnen, kostet glücklicherweise nichts.
Am Ende des Sees angekommen ist es auch mit dem Träumen vom Leben am Zeller See vorbei. Auf der Bundesstraße, die wegen des Verkehrs nicht besonders schön zu befahren ist, geht es entlang der Salzach über Bruck und Taxenbach immer leicht abfallend bis nach Lend. In Lend geht es dann links ab, und die Steigung zum Filzensattel beginnt. Bis Dienten geht es durch das Tal gemäßigt bergauf, in dem Ort am Fuße des Hochkönigs ändert sich das dann aber schnell. Die Steigung zur Passhöhe ist mit bis zu 14 Prozent knackig und für eine Frühjahrsausfahrt schon recht anspruchsvoll. Die Mühe, den Berg hinauf zu strampeln lohnt sich doppelt: Das Alpenpanorama ist toll und die Abfahrt auf der breiten und guten Straße runter nach Saalfelden macht viel Spaß. Schön an dieser Runde ist auch, dass man es nach der Belastung am Berg auf dem Nachhauseweg quasi nur noch rollen lassen kann.

Abstecher nach Tirol
Mit rund 67 Kilometern ist die Runde über den Filzensattel nicht besonders lang. Aber so war es ja auch gewünscht. Am nächsten Tag nehmen wir uns den nächsten Pass und einige Kilometer mehr vor. Über den Pass Thurn soll es gehen. Die Rundenlänge: 114 Kilometer. Das Ziel: die Umrundung der Kitzbüheler Grasberge. Dass Umrundungen von Bergen meist nicht ohne Anstiege zu machen sind, ist klar. Das erste Hindernis auf unserer Runde ist der Grießenpass von Leogang nach Hochfilzen. Dort hat der Pass mit 975 Metern über Null seine höchste Stelle. In dieser Hochburg des nordischen Wintersports mit dem Langlauf- und Biathlonzentrum verlassen wir das Pinzgau und das Bundesland Salzburg für einige Kilometer und fahren über Fieberbrunn nach St. Johann in Tirol. Von hier aus wäre es nicht mehr weit bis auf den Gipfel des Kitzbüheler Horns. Die Abzweigung zum steilsten Radberg Österreichs lassen wir kurz vor Kitzbühel aber sprichwörtlich links liegen, fahren stattdessen über Jochberg weiter zum Pass Thurn. Da dieser Pass eine Hauptverbindung zwischen Tirol und Salzburg ist, herrscht viel Verkehr. Die Autos und Lkws sind nicht so schön wie die Aussicht auf den Alpenhauptkamm. Die ansonsten angenehm zu fahrende Steigung von rund sieben Prozent bringt auch Fahrer mit nicht allzu guter Frühjahrsform in keine großen Schwierigkeiten. 65 Kilometer und damit mehr als die Hälfte der Tageskilometer sind auf dem höchsten Punkt erreicht, die Arbeit ist also getan. Mit Genuss können wir die zehn Kilometer lange Abfahrt nach Mittersill abfahren. Durch das Salzachtal geht es wieder zum bereits bekannten Zeller See. Von hieraus würde es auch in Richtung Großglockner gehen. Auf der Großglocknerstraße kommt man aber vor Mai nicht weit. Die Straße auf den höchsten Berg Österreichs ist gesperrt. Den Gipfel des 3798 Meter hohen Bergs kann man aber auch aus dem Tal erkennen – und sich mal wieder klein fühlen. Vielleicht kommen wir im Juni ja zurück und fühlen uns nach dem Jedermannrennen „Glocknerkönig“ wieder groß. Mal sehen.
Dieses Mal nehmen wir jedenfalls die Straße entlang des Zeller Sees Richtung Saalfelden. Allerdings am westlichen Ufer. An der Schönheit des Sees ändert das nichts.

Radeln macht hungrig
Die frische Luft und die Trainingskilometer machen Hunger. Im Salzburger Land muss man sich aber keine Sorgen machen, nichts Anständiges auf den Teller zu bekommen. Da gibt es zum Beispiel Backhendl mit Kartoffelsalat und Kürbiskernöl. Bekannt ist die Bergregion aber hauptsächlich für fleischlose Gerichte wie zum Beispiel den Pinzgauer Krapfen, der mit geriebenen Kartoffeln gefüllt und frittiert wird.
 

Groß und Klein
Zum Schluss hat unser Wirt Erwin für eine kleine Abschlussrunde auch noch einen Geheimtipp auf Lager. Über Lofer sollen wir nach Waidring fahren. „Da müsst ihr unbedingt eine Pause einlegen und ein Stück Kuchen essen“, sagt Erwin. Nirgends seien sie größer. Und er hat Recht. Groß und Klein wird wieder einmal neu definiert.|||||

 

 

Allgemeine Informationen
Der Bezirk Pinzgau, auch Zell am See genannt, gehört zum Bundesland Salzburg. Im Norden grenzt es direkt an Bayern. 1810 stand der Bezirk sogar kurze Zeit unter bayerischer Verwaltung.
Die Region ist vor allem vom Ski-Tourismus geprägt. Der Zeller See und der Großglockner sind Dinge, die man im Pinzgau gesehen haben muss.

Beste Reisezeit
Mai bis September

Anreise
Mit dem Auto ist die Anreise von München nicht weit. Bis Saalfelden sind es nur rund 150 Kilometer. Allerdings braucht man dafür circa zwei Stunden.

Übernachtungs-Tipp
Vital Hotel Saliterhof
Uttenhofen 5
A-5760 Saalfelden
www.saliterhof.at
+43/6582/733 81


Ein videoüberwachter Radkeller, eine Radwaschstation, eine Werkstatt für einfache Wartungen und kostenloser Waschservice für Sportbekleidung machen den Saliterhof zum Radhotel. Optional kann der Besucher auch Leistungsdiagnostik, Radeinstellung, Lauf- und Schwimmanalyse oder Personal Coaching vorab buchen.
Für Entspannung und Regeneration nach der Tour gibt es einen Wellnessbereich und das Saliter Entspannungsprogramm mit Yoga und Qigong.

Nützliche links
Weitere Roadbike Holidays-Hotels, Radreise-Regionen und Touren zum Download (auch für GPS) finden Sie unter:
www.roadbike-holidays.com

Quelle: 

Foto: Jürgen Amann
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