Reise

Eine Reise ins Pinzgau - Der Großglockner

11.11.2014

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Mit Rennrad in die Region Großglockner

In der Ferne ist ein kleiner Lichtpunkt zu erkennen. Sonst: Dunkelheit. Tauwasser tropft von der Decke. An der linken und rechten Seite des Tunnels hängen oberschenkeldicke Eiszapfen. Der Schweiß rinnt mir meine Schläfen hinunter. Ganz langsam wird es heller. Dann, kurz nach der Ausfahrt aus der tristen Röhre, trifft mich der erste Sonnenstrahl. Auf der Südseite des Hochtors eröffnet sich ein Panorama, das ich so noch nie gesehen habe. Unzählige Berggipfel der Schober- und Goldberggruppe stehen majestätisch am Horizont. Sie sind immer noch weiß, auch jetzt noch, im Mai. Die Schneedecke ist so dick, dass man sich kaum vorstellen kann, sie jemals ohne die weiße Pracht sehen zu können. Der Anblick ist fesselnd, er regt zum Träumen an, lässt einen die Schmerzen vergessen, die man erleiden musste, um mit dem Rad hierher zu kommen. Dann holt mich die Realität wieder ein. Ich muss weiter, bin noch lange nicht am Ziel. Der Großglockner ist knapp 15 Kilometer entfernt. Das letzte Drittel des Anstiegs beginnt.

Energie tanken

Reflexartig schlägt meine flache Hand auf das kleine Nachttischchen neben mir. Zweimal, dreimal, dann treffe ich endlich den „Aus“-Schalter meines Weckers. 6.30 Uhr blinkt es auf der roten Digitalanzeige. An einem normalen Wochenende wäre das viel zu früh für mich. Heute nicht. Die Vorfreude auf meine Tour treibt mich aus dem Bett und ans Frühstücksbuffet. Noch einmal Energie tanken, so viel wie möglich, das ist das Ziel. Ein hartes Stück Arbeit steht mir bevor, und ich bin mir sicher: Ein früher Start lohnt sich. Von meiner Unterkunft, dem Tauern Spa-Hotel in Kaprun, sind es knapp 55 Kilometer bis zur Kaiser-Franz-Josephs-Höhe, dem Punkt, an dem man dem Großglockner-Gipfel am nächsten ist. 48 davon führen bergauf.

Die Luft ist klar und noch kühl. Während der ersten Tritte kann ich nicht oft genug tief einatmen. Es riecht nach Heu und frischer Berg-luft. Das erste Mal in diesem Jahr spürt man den Sommer. Gleich zu Beginn meiner Runde mache ich den ersten Abstecher, zum Zeller See. Schließlich hat auch er mit meinem Tagesziel zu tun. Vor rund 17.000 Jahren hat der Gletscher der Glocknergruppe sein Bett ausgeschürft. So früh am Morgen ist an der Uferpromenade noch nichts los, nur der Mann vom Souvenirstand rollt den Ständer mit den Postkarten vor seinen Laden. Daneben werden ein paar Boote für die spätere Seerundfahrt fertig gemacht. Die Ruhe ist genau das richtige vor dem langen Anstieg, der kurz hinter dem Ort Bruck gemächlich beginnt.

Neben der Straße plätschert die Fuscher Ache, ein kleiner Wildwasserbach, der sich durch Wiesen mit gelben Dotterblumen und lila Klee schlängelt. Auf dem Weg durch das Tal hat man die ganze Zeit das schneebedeckte Bergmassiv vor Augen, zu dem es hinauf geht. Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, was da auf mich zukommt.

Motivationshilfe

Knapp 2000 Höhenmeter am Stück warten auf mich. Wirklich ernst wird es ab Ferleiten. Ist man an der Maut- und Zeitmessstation vorbei, sieht man als erstes ein Schild. Ein Schild, mit einer entscheidenden Zahl darauf: zwölf Prozent Durchschnittssteigung. Der Weg zum höchsten Berg Österreichs ist nicht nur lang, sondern auch steil. Das merke ich sofort. Gleich im unteren Drittel zweifle ich daran, dass ich es bis oben schaffe. 

 

 

Zwischenziel

Zeit zur Erholung gibt es am Fuscher Törl, einer Gedenkstätte für die 15 Bauarbeiter, die beim Bau der Hochalpenstraße ums Leben gekommen sind. In einem großen Bogen führt dort die Straße um einen markanten Felsen und eröffnet so einen 360-Grad-Blick. Ich raste an der Aussichtsplattform, genieße die Sonne und entschließe mich dazu, einen zweiten Abstecher zu machen, auch wenn der zusätzliche Höhenmeter mit sich bringt. Die Edelweiß-Spitze ist mein Zwischenziel. Über Kopfsteinpflaster und in engen Serpentinen geht es hinauf zu einer noch höher gelegenen Aussichtsplattform. Hier oben lässt es sich aushalten. Da kommt die Terrasse der Edelweißhütte gerade richtig. Kaspressknödel, Cappuchino, Kaiserschmarrn: Ich kann es mir nicht verkneifen richtig zuzuschlagen. Zu lecker hören sich die Spezialitäten auf der Speisekarte an. Gut verpflegt und etwas erholt geht es weiter himmelwärts. 

Der Gigant

Nach dem Hochtor, mit knapp 2500 Metern der höchste Punkt meiner Tour, geht es erst einmal bergab. Ich schieße durch langgezogene, enge, schnelle, langsame Kurven und bereite mich gedanklich auf den letzten Teil meiner Kletterpartie vor. Schroffe Felsen, Schotterfelder, nur noch vereinzelt findet sich Vegetation. Und dann, nach der Galerie steht er in seiner vollen Größe vor mir: der Großglockner. Wolkenbehangen, kalt, gigantisch. Zusammen mit zwei, drei anderen Besuchern genieße ich den ungehinderten Blick auf den stillen Riesen. 

Auf gleichem Weg geht es für mich wieder zurück nach Kaprun. Die Muskeln schmerzen, die Beine verlangen nach Ruhe. Zell am See und der Tauern Spa sind die ideale Umgebung, um meine Batterien wieder aufzuladen. Ich wechsle von der Dusche in die Sauna, ins Aktivbecken, in den Pool, ins Hochbecken mit Wasser-Kaskade. Und so weiter. 

Der nächste Tag: Ich bin top erholt und habe mir wieder viel vorgenommen: 156 Kilometer und über 4000 Höhenmeter stehen auf dem Programm. Die Runde ist noch abwechslunsgreicher als die gestern, aber nicht viel leichter. Es geht vorbei am berühmten Steinernen Meer und zum Arthurhaus. Die Straße führt hinauf auf 1505 Meter. Von dort oben hat man einen gigantischen Ausblick auf die Mandlwand, einer zerklüfteten Bergkette, die aus sechs Gipfeln des Hochkönigmassivs besteht. Eine beeindruckende Kulisse.

Ich fühle mich gut, bin aufgeputscht von all den Erlebnissen, von all den Eindrücken hier auf, an, neben dem mächtigen Riesen Großglockner. „Morgen“, denke ich, „morgen fahre ich nur einmal um den Zeller See, ohne Berge, ohne Höhenmeter.“ Vielleicht werde ich das tun. Vielleicht wird er aber nach einer erholsamen Nacht wieder locken, der höchste Berg Österreichs. |||||

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Allgemeine Informationen:

Der Großglockner ist der höchste Berg Österreichs und eines der schönsten Ausflugsziele im Pinzgau. Der Bezirk im Südwesten von Salzburg hat aber noch mehr zu bieten als den 3798 Meter hohen Alpenriesen. Zu entdecken gibt es noch den Zeller See, das Kitzsteinhorn, die Krimmler Wasserfälle oder den Nationalpark Hohe Tauern. Sowohl in der Gebirgswelt als auch im flachen Tal finden Rennradfahrer ein großes Streckennetz.

 

Beste Reisezeit:

Mai bis September

Anreise:

- Mit dem Auto

Die perfekte Anbindung von Zell am See-Kaprun an das Verkehrsnetz und das malerische Alpenpanorama machen eine Anfahrt mit dem Auto zur angenehmen Sightseeing-Tour. Zell am See-Kaprun ist rund 2,5 Autostunden von München und 1,5 Stunden von Salzburg entfernt.

- Mit dem Flugzeug

Salzburgs Flughafen „W.A. Mozart“ ist für Gäste von Zell am See-Kaprun bestens erreichbar. Der Flughafen Salzburg ist rund 80 Kilometer, der Flughafen München 200 Kilometer entfernt. Per Shuttle, Taxi oder Zug kommt man einfach nach Zell am See-Kaprun.

- Mit dem Zug

Der Bahnhof Zell am See liegt direkt im Zentrum. Von dort sind die umliegenden Hotels leicht mit dem Taxi oder dem Bus erreichbar.

 

Übernachtungs-Tipp:

Tauern Spa

Tauern Spa Platz 1
5710 Kaprun
+43/6547/20 40 20 12
Infos unter: www.tauernspakaprun.com

Ein abschließbarer Fahrrad-Raum, eine Reinigungsstation, eine Werkstatt, das Massage- und Wellness-Angebot sowie der riesige Thermenbereich machen das Tauern Spa Hotel zum Radhotel. 

 

Reiseveranstalter:

Prostyle Services GmbH

Bretonischer Ring 12
85630 Grasbrunn bei München
Telefon: +49 (0) 89 4626189890
Telefax: +49 (0) 89 4626189899 

Email: info@prostyle-world.de
Web:  www.prostyle-world.de

 

Nützliche links:

Weitere Hotels, Infos zur Region Zell am See, zur Umgebung und Tourendownloads finden Sie unter:
www.zellamsee-kaprun.com

 
2 ausgewählte Touren:
 
Tour 1

Rund um den Großglockner; 181 km, 5137 Hm

Kaprun - Bruck - Fusch - Ferleiten - Heiligenblut - Putschall - Döllach - Iselsberg - Göriach - Lienz - Sankt Johann im Walde - Matrei - Tauer - Felben - Stuhlfelden - Uttendorf - Walchen - Kaprun

 
Tour 2

Rund um den Zeller See; 156 km, 4333 Hm

Zell am See - Gerling - Ruhgassing - Maria Alm am Steinernen Meer - Arthurhaus (Wende) - Schattberg - Taxenbach - Gries - Bruck - Edelweißspitze (Wende) - Bruck - Zell am See

 

 

 

 

Quelle: 

Foto: Gideon Heede