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Reise - Rennradregion Brixen

28.07.2015

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Rennrad Reise Italien Brixen Südtirol

Ein graues Band zieht sich seit den 1960er Jahren durch das Eisacktal. Von vorne bis hinten. Es nennt sich Autobahn, genauer A22. In Spitzenzeiten rollen hier bis zu 70.000 Fahrzeuge am Tag über den Asphalt. Die meisten sind auf der Durchreise, machen keinen Abstecher in eines der größten Täler Südtirols. Ein Fehler. Hier blühen Apfelbäume neben Weinreben, hier gibt es unzählige kleine Wege in flachen Tälern oder auf anspruchsvollen Bergstrecken, hier kann man Natur und Kultur entdecken. Jeder, der im Eisacktal Halt macht, taucht ein in eine der schönsten und vielseitigsten Naturlandschaften Italiens.

Ausgangspunkt

Das Zentrum der Region ist Brixen. Die älteste Stadt Tirols besteht seit über 1000 Jahren und ist umgeben von Bergen, Obstgärten und Weinhängen. Jetzt, im Frühjahr, setzt die Apfelblüte ein, kleine Knospen sprießen, die Sonne strahlt und weckt die Natur nach dem kalten Winter. Brixen liegt in einem Talkessel, an der Grenze zwischen alpinem und mediterranem Klima. Das Wetter ist ideal für den Obst- und Weinanbau. Der Wechsel zwischen kühlen Nächten und warmen sonnigen Tagen fördert die Bildung von Fruchtzucker. Rund 25 Prozent der europäischen Apfelernte und die besten Weißweine Südtirols kommen aus der Region.

Im Norden von Brixen liegt der Alpenhauptkamm, im Süden die Dolomiten, auf den Wegen durch das Tal findet man auch viele flache Strecken. Die Lage macht Brixen zum idealen Ausgangspunkt für Radtouren.

Frühstart

Eine beliebte Strecke führt hinauf zum Würzjoch, dem Verbindungspass zwischen dem Gader- und dem Eisacktal. Von Brixen aus startet man in südliche Richtung hinauf auf den Brixner Hausberg Plose. Sofort nach dem Ortsausgangsschild beginnt die Steigung. Am Morgen sind die ersten Kilometer noch kühl. Wald und Schatten tun ihr Übriges dazu. Der Schweiß läuft trotzdem. Zehn, elf, zwölf, die Steigungsprozente fordern. Belohnt wird man früh. Immer wieder ist der Blick frei auf die schroffen Gipfel der Aferer Geißeln, dem westlichen Teil der Peitlerkofelgruppe in den Dolomiten. Berge, die man sonst nur von Postkarten kennt. Oberhalb der Baumgrenze haben sich Geröllfelder gebildet. Aus ihnen schieben sich steile Felswände mit tiefen Furchen in Richtung Himmel. Ganz hinten sieht man den Gipfel des Würzjoch, den höchsten Punkt der 100 Kilometer langen Tour. Genügend Kondition ist Voraussetzung.

Im Hinterland

Hier oben wird es immer leiser. Autos sind kaum unterwegs, Menschen sieht man selten. Die Sinne nehmen nur noch Natur wahr. Zeit zum Abschalten. Kleine Gebirgsbäche glucksen. Das Schmelzwasser füllt die Flüsse im Tal. Im Winter ist die Straße zum Würzjoch gesperrt. Je nach den Schneebedingungen kann sich die Öffnung des Passes auch bis ins späte Frühjahr verschieben. Heute ist er frei und in gutem Zustand. 

Eis und Schnee haben keine Schäden hinterlassen – zumindest auf der Seite des Eisacktals. Die Abfahrt hinab ins Gadertal (Alta Badia) nach Sankt Martin ist dagegen in einem schlechteren Zustand. Bevor man sie in Angriff nimmt, sollte man stehen bleiben, absteigen, sich umdrehen, ins Tal blicken, dorthin, wo man hergekommen ist. An der Passhöhe auf 2006 Metern Höhe hat man das Eisacktal in voller Breite unter sich. Die Luft ist klar, nicht warm und nicht kalt. Der kühle Wind und der Schweiß auf der Haut sorgen ab und zu für Gänsehaut. Langsam sinkt der Puls. Der normale Atemrhythmus stellt sich wieder ein. Die lange Auffahrt zum Würzjoch ist geschafft. Jetzt zählt nur der Moment. Zufriedenheit.

Verpflegungsstation

Hier oben kann man sich entscheiden: Ob man weiterfährt ins Gadertal oder ob man wieder ein Stück zurück rollt und den Abzweig in Richtung Villnösstal nimmt. Im Almgasthof Ütia de Börz kann man sich bei einem Tirol Tris, einer Tiroler Knödel Variation, genügend Zeit lassen. 

Egal welchen Weg man wählt, geht es erst einmal bergab. Eine Weste, Armlinge und Beinlinge gehören in Südtirol zur Grundausstattung. Bei den großen Höhenunterschieden kühlt man zwangsläufig aus. 

Sankt Virgil ist der nächste Ort, den man auf der Fahrt ins Gadertal durchquert. Danach muss man wachsam sein: auf dem Weg nach Sankt Lorenzen gibt es zwei Optionen – eine mit Tunneln und eine ohne. Entspannter und landschaftlich schöner ist der Höhenweg über Welschellen, Onach, Montal und Ellen. Ab Ehrenburg stehen einem keine großen Anstiege mehr im Weg. Die letzten 30 Kilometer gehen bergab.

Auf Messners Spuren

Bergab geht es auch, wenn man den Weg vom Würzjoch ins Villnösstal wählt, in das Tal, in dem Reinhold Messner seine Jugend verbracht hat. Eines seiner ersten Kletterobjekte war die Friedhofsmauer in Sankt Peter. Später hat er die höchsten Berge der Welt bestiegen. 100 Erstbegehungen, alle 14 Achttausender, Mount Everest ohne Flaschensauerstoff, Nanga Parbat im Alleingang – Messner hat die Welt von oben gesehen. Die Geislerspitzen waren seine ersten Gipfel, die er erklommen hat, die, die hinter einem liegen, wenn man von Sankt Peter in Richtung Tal rauscht.

Auf dem Weg dorthin sollte man einen Abstecher nach Sankt Magdalena einplanen. 

Der kleine Ort liegt am Fuße des Ruefen. Das Wahrzeichen ist die Kirche Sankt Magdalena. Sie ist eines der beliebtesten Fotomotive in den Dolomiten und lädt zu einer Verschnaufpause ein. Auf der Abfahrt zurück ins Eisacktal fährt man auf einer gut ausgebauten Straße, bis man auf die alte Brennerstraße trifft. Von dort aus sind es noch rund 15 Kilometer zurück nach Brixen, zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Zum Hotel. Zum Abendessen.

Klassiker

Eine Unterkunft, die dort speziell auf Radsportler ausgerichtet ist, ist das Stadthotel Goldene Krone. Radkeller, Werkstattbereich, reichhaltiges Buffet, Spa- und Erholungsbereich. Oben drauf können Gäste das Wellness- und Erlebnisbad Acquarena kostenlos nutzen. Eine optimale Erholung ist garantiert. Und die ist auch nötig, im Süden wartet die Sella Ronda: vier Pässe, 58 Kilometer, 1780 Höhenmeter, plus An- und Rückfahrt. Die Strecke über die Pässe Sella, Pordoi, Campolongo und Gardena gehört zu den Klassiker-Touren in den Dolomiten. Der Grund: das Panorama. Die Aussicht auf der Route ist wunderschön. Und das Anspruchsniveau nicht zu hoch, keiner der Berge ist länger über acht Prozent steil. Einmal im Jahr ist die komplette Strecke für Autofahrer gesperrt – von 10 bis 15 Uhr. Beim Sellaronda Bikeday am 21. Juni kann man die Strecke ungestört genießen.

Motivationsschub

Lohnend ist auch die Fahrt in den Südosten, auf die andere Seite der Brennerautobahn. In Richtung Feldthurns, Verdings, Lengmoos. Von dort aus schaut man auf den Rosengarten oder auf den Ritten. In den Abendstunden leuchten sie orange und rot und scheinen zu brennen. Bei diesem Blick ist es egal, wie müde sich die Beine anfühlen. Man will weiterfahren, mehr erfahren über die Region rund um das Eisacktal. Die Berge warten. |||||

 

 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Das Eisacktal ist eines der Haupttäler Südtirols. Die drei größten Städte in der Region sind Brixen, Sterzing und Klausen. Bekannt ist das Tal vor allem durch den Wein- und Obstanbau. Es beschreibt den Verlauf des Flusses Eisack vom Brenner bis in dessen Mündung in die Etsch bei Bozen.

Weitere Infos unter:www.bikehotels.it

 

BESTE REISEZEIT

Frühjahr, Sommer und Herbst

 

ANREISE

Von München aus dauert die Anreise über Rosenheim, Salzburg und die Brennerautobahn etwa drei Stunden. Der zentralste Bahnhof liegt in Brixen.

 

ÜBERNACHTUNG

Das Vier-Sterne-Hotel Goldene Krone liegt mitten in Brixen und gehört zu den Bikehotels. Es bietet einen Bikekeller, einen Waschplatz für das Rad, eine Werkstattecke, einen Guide-Service, einen Rad-Verleih, eine Tourendatenbank, einen Spa-Bereich, gehobene Gastronomie und vieles mehr.

Vitalhotel Goldene Krone: Stadelgasse 4, 39042 Brixen, www.goldenekrone.com, info@goldenekrone.com

 

Veranstaltungen in der Region

Sellaronda Bike Day - 21. Juni

Von 8.30 bis 15.30 Uhr werden die vier Dolomitenpässe Sella- und Grödnerjoch sowie Pordoi- und Campolongopass für Autos gesperrt. Rund um den Sella sind dann nur noch Radsportler unterwegs. Im letzten Jahr waren es über 22.000 - Rekord. Am 13. September wird das Event - dann unter dem Namen Eco Dolomites - noch einmal wiederholt. Mehr Infos: www.sellarondabikeday.com

 

Börz-Plose Bike Day - 28. Juni

In der Ferienregion zwischen Brenner und Bozen wird am 28. Juni zum ersten Mal der autofreie Börz-Plose Bike Day rund um das Würzjoch veranstaltet. An diesem einen Tag im Juni haben ambitionierte Jedermänner mit guter Kondition freie Fahrt auf einer Strecke von rund 51 Kilometern (1.230 Höhenmeter). Es geht um die Plose und zum Dolomitengebirgspass Würzjoch (auf ladinisch Börz). Die für den Verkehr gesperrten Straßen (9.30 – 15.00 Uhr) sind von Sankt Andrä/Brixen, Lüsen und Sankt Peter/Villnöss im Eisacktal und von Antermoia im Gadertal aus zu erreichen.Mehr Infos: www.eisacktal.com

 

Maratona dles Dolomites - 5. Juli

Er ist einer der härtesten Marathons überhaupt - der Maratona dles Dolomites. Er führt über 138 Kilometer, acht Dolomitenpässe, 4.230 Höhenmeter. Wer hier startet, sollte fit sein. Zur Auswahl stehen auch noch zwei kürzere Strecke mit 106 oder 55 Kilometern. Mehr Infos: www.maratona.it

 

Touren

Tour 1: Würzjoch, 102 km, 2300 Hm

Brixen - Mellaun - St. Andrä - St. Jakob - Weiherkofel - Untermoi - St. Martin Ehrenburg - Mühlbach-  Brixen

 

Tour 2: Oberbozen, 81 km, 1226 Hm

Brixen - Klausen - Kollmann - Blumau - Kardaun - Unterinn - Klobenstein - Lengstein - Saubach - Barbian - Waidbruck - Brixen

 

Tour 3: Sellarunde, 174 km, 5323 Hm

Brixen - Klausen - St. Ulrich - St. Christina - Wolkenstein - Canazei - San Cassiano - Corvara - St. Ullrich - Brixen

 

 

Quelle: 

Foto: Gideon Heede