Reise

Walderlebnisse - Kurzurlaub im Harz

30.04.2014

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Rennrad Fahren im Harz Tipps Touren

Schneeverwehungen verbergen die Bäume unter sich, Eiszapfen hängen an den Dächern der Wetterstation. Sturm. Menschen kämpfen im 45-Grad-Winkel gegen die Luftmassen. Die Sicht ist schlecht, die Temperatur bitterkalt. Genau so kenne ich den Brocken aus den Nachrichten, wenn im Winter über ihn und die extremen Wetterbedingungen auf seinem von Bäumen ungeschützten Hochplateau berichtet wird. Gerade einmal fünf Kilometer Luftlinie liegen in diesem Moment zwischen mir und seinem Gipfel. Vom Örtchen Torfhaus blicke ich zu dem sanft geschwungenen Bergrücken hinüber. Heute ist er nicht weiß und nicht ungemütlich. Ruhig, irgendwie friedlich sieht er aus. Der lohnende Blick lässt mich den gerade bewältigten Anstieg, den Alltag und den Stress der Arbeitswelt vergessen. Erholung für die Seele, Natur pur, ein Rennraderlebnis in Deutschland: Das ist der Harz.
 

Grenzfahrt
Es ist Frühling. Überall blüht es. Frische hellgrüne Blätter sprießen an den vereinzelten Laubbäumen. Sie leuchten heraus aus dem Meer an Fichten und Tannen. Im Nationalpark Harz sind sie die beiden Hauptbaumarten. So weit das Auge reicht: Nadelwald. Meine kurze Pause im kleinen Touristendorf Torfhaus, am höchsten Punkt der Tour, ist vorbei. Nach dem langen, bis zu zehn Prozent steilen Anstieg, folgt jetzt eine rasante Abfahrt. Auf der gut ausgebauten B4 geht es nach Braunlage, in die ehemalige DDR. Links und rechts sammeln sich an den Parkbuchten immer wieder kleine Wandergruppen. Ihre Stöcke, festen Stiefel und gut bepackten Rucksäcke zeigen an: Hier ist zu Fuß mehr möglich als nur ein kurzer Spaziergang.

Königsetappe
Die Ausflugsidylle wird kurze Zeit später durch die lauten Geräusche einer Dampflock durchbrochen. Es pfeift, holpert, knarzt. Die Harzquerbahn tuckert durch das Elendsthal. Ihre Route schlängelt sich durch den Wald, quert des Öfteren die Straße. Mit etwas Glück sieht man die schwarze Lokomotive. Ich habe es. Zwischen den Baumstämmen hindurch sehe ich die Bahn. Sie keucht den Berg hinauf, ich rolle weiter hinunter. Über Elbingerrode, Hasselfelde und Bad Sachsa komme ich nach Sankt Andreasberg. Einer der letzten richtigen Anstiege, hinauf zum Sieberberg, steht an. Das Terrain ist jetzt aber bei Weitem nicht mehr ganz so bergig, wie noch am Anfang meiner Tour.
Die „Große Westharzrunde“ ist 165 Kilometer lang und die Königsetappe meines Wochenendausflugs in das deutsche Mittelgebirge – auch aus Sicht der Höhenmeter. Rund 3000 sollen es am Ende werden. Die Strecke steckt mir schon vor meinem Ziel in Bad Grund in den Beinen. Trotzdem habe ich immer noch ein gutes Gefühl. Die zahlreichen Cafés, Restaurants und Rastplätze bieten genügend Möglichkeiten, um sich zu erholen. Ich habe sie genutzt. Mehrfach. Gott sei Dank. Nicht mehr lange, noch rund 50 Kilometer, dann habe ich meine Runde geschafft.

Kultur pur
Mittlerweile bin ich in Osterrode angekommen. Die Straße geht direkt an der Söse entlang. Nach links führen immer wieder kleine Gassen ins Stadtzentrum. Ich entschließe mich für einen Abstecher. Im Ort gibt es viel zu entdecken: wunderschöne Fachwerkhäuser, die alte Stadtmauer aus dem Jahr 1233 oder die Alte Burg. Kultur gibt es im Harz genug. So auch in Clausthal-Zellerfeld. Bei der Durchfahrt komme ich an der größten noch erhaltenen Holzkirche Europas vorbei. Die erst vor kurzem neu angestrichene, blaue Marktkirche ist eine der letzten Sehenswürdigkeiten, an der ich heute vorbeikomme. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie erbaut. Jetzt läutet sie meine letzten zehn Kilometer am heutigen Tag ein. Ich kann ausrollen, die Beine lockern. Morgen steht schließlich noch eine Runde auf dem Programm.

Ausflugsziel: Stausee
Es ist neblig und kühl, die Wolken sind dick und grau. Genau so, dass man sich noch einmal die Bettdecke über den Kopf ziehen möchte. Im Harz verfangen sich die Wolkenmassen gerne, das Wetter ist schnell trüb. Der nächste Tag beginnt also ungemütlich – zumindest draußen.
Drinnen sieht es anders aus. In meiner Unterkunft, dem Parkhotel Flora in Bad Grund, wartet ein leckeres Frühstück auf mich und die Routentipps des Chefs Mark Jungbluth. Er ist selbst aktiver Radsportler und kennt die schönsten Strecken in seiner Heimat. Er rät mir, zu einem der Stauseen zu fahren. Etwas später, nach Spiegelei, Pfannkuchen und mehreren Cappuccinos, entscheide ich mich, die Sösetalsperre zu besichtigen. Sie dient zur Trinkwasser- und Stromversorgung sowie dem Hochwasserschutz. Und nebenbei ist das Gebiet rund um den künstlichen See ein perfektes Ausflugsziel – nicht nur für den Radfahrer.

Mit Weitblick
Nach dem Bergabstück durchfahre ich wie am Vortag Osterrode, dieses Mal geht es aber in Richtung Nordwesten weiter. Der Wald wird weniger, die freien Flächen mehr. Goldgelbe Rapsfelder, saftige grüne Wiesen und die weiße Apfelblüte prägen das Landschaftsbild. Mittlerweile blitzt die Sonne durch die Wolkendecke hervor. Auf dem Weg nach Seesen komme ich an Kalk-Steinbrüchen vorbei. Die Industrie wird mehr, die Straße schlängelt sich parallel zur B243, bis in Seesen schließlich die Richtung geändert wird. Dann geht es rechts ab, hinein ins Rosental, hinein in die typische Landschaft des Harz: Tannen, Fichten, Bäume und noch viel mehr Bäume. Es riecht nach vermoostem Waldboden und Holz, die Luft ist leicht feucht. Nach der harten Etappe gestern ist der Tritt nicht mehr ganz so leicht. Die Runde ist dennoch genau die richtige für den letzten Tag im Harz. Der Grund: Goslar. Die tausendjährige Kaiserstadt gehört seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe. Genauso wie das Erzbergwerk Rammelsberg am südlichen Zipfel der Stadt. Heute ist es ein Museum, das von der Verbundenheit Goslars und des Harzes zum Bergbau zeugt. Noch heute erinnern überall Fördergerüste oder Hunte, kleine Förderwägen auf Schienen, an die alten Zeiten. In Goslar ist ein Stopp eigentlich Pflicht.
Auf den letzten Kilometern komme ich noch einmal in Clausthal vorbei. Dann geht es rechts ab in Richtung Bad Grund, zurück zum Ausgangspunkt meiner Touren. So ungemütlich wie der Tag begonnen hat, so zufriedenstellend endet er. Die Runde ist geschafft, das Erlebte aufgesogen. Jetzt heißt es entspannen. Morgen beginnt wieder der Alltag.|||||

Allgemeine Informationen
Der Harz ist das höchste Gebirge Norddeutschlands. Er verbindet die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Natur in der Region ist vor allem durch große Waldflächen geprägt.
Zu entdecken gibt es im Harz, neben der unverwechselbaren Natur, historische Bergbaulandschaften, Burgen und Schlösser, Höhlen und vieles mehr. Zu den Ausflugszielen sollten auf jeden Fall das Erzbergwerk Rammelsberg, die Altstadt Goslar, Quedlingburg oder die Lutherstadt Eisleben zählen.

Beste Reisezeit
Mai bis September

Anreise
Der Harz liegt relativ zentral in Deutschland und ist damit aus jeder Richtung einfach zu erreichen – egal ob mit dem Auto oder der Bahn.

Übernachtungs-Tipp
Parkhotel Flora
Schurfbergstraße 1
37539 Bad Grund
www.parkhotelflora.de
05327/839 10


Ein abschließbarer Fahrrad-Raum, eine Reinigungsstation, eine Werkstatt für einfache Wartungen und Reparaturen sowie das Massage-Angebot machen das Parkhotel Flora zum Radhotel. Außerdem bietet der Hotelchef Mark Jungbluth geführte Touren an.

Nützliche links
Weitere Hotels, Infos zur Region Harz und Touren zum Download (auch für GPS) finden Sie unter:
www.harzinfo.de

Quelle: 

Foto: Jürgen Amann