Test & Technik

Rennrad Test: Radkoffer und -taschen im Test

12.05.2016

Ich packe meinen Koffer – oder meine Tasche? Dies ist die erste entscheidende Frage, bevor man sich mit dem Rennrad im Gepäck Richtung Flughafen aufmacht. Weitere Fragen sind: Wie viel muss ich abschrauben? Wie lange dauert das Ganze? Wie sicher ist der Inhalt verpackt? Und wie ist dann das Handling des Sperrgepäckstücks? 

Wer nicht gerade Vielflieger ist, dem wird vielleicht egal sein, ob das Verpacken und das Wiederaufbauen des Rades vor und nach der Flugreise ein paar Minuten länger oder kürzer dauert. Dennoch ist dies ein Kriterium, das mit in unsere Bewertung einfloss. Je einfacher und schneller dies von Statten geht, desto weniger Stress hat man vor und im Urlaub. Natürlich nur solange auch die Sicherheit des guten Stückes, das transportiert wird, gewährleistet ist. 

Eine gute Lösung ist deshalb aus unserer Sicht die Montage auf einer Haltevorrichtung, welche dann mitsamt des darauf befestigten Rahmens in den Koffer beziehungsweise die Tasche gestellt wird. Das spart meist Zeit und Nerven. Interessantes Detail bei Thule: Hier ist der Montagerahmen zugleich ein Montageständer, mit dem das Rad vor Ort schnell wieder in den Originalzustand versetzt werden kann. 

Systemfrage

Was bietet nun mehr Schutz: Koffer oder Tasche? Auf den ersten Blick könnte diese Frage ganz einfach mit „Koffer“ beantwortet werden, denn eine harte Schale bietet gewöhnlich den besten Schutz. Ganz so einfach ist die Antwort aber nicht. Für beide Lösungen gibt es Pro- und Contra-Argumente. Der Koffer hält den harten Belastungen des Verladens eher stand als die Tasche. Eine solche ist dagegen flexibler, insgesamt leichter, einfacher zu bewegen. Zudem ist es beim Mietwagentransport vor Ort oft einfacher, das ausgepackte Rad und die zusammengefaltete Tasche zu transportieren als einen starren Koffer. Auch daheim wird man eine Tasche vielleicht etwas öfter verwenden. Und: Sie nimmt Zuhause einfach weniger Platz weg.

Das Handling 

Beim Transport am „Boden“ sind die vier lenkbaren Rollen des Koffers das Maß der Dinge. Aber nur auf ebenen Untergründen. Versenkte Rollen sind beim Verladen besser geschützt als abstehende. Wenn die Rollen exponiert sind, dann sollten diese verschraubt und nicht genietet sein, denn dann ist ein Austausch bei Beschädigung leichter. In dieser Hinsicht fällt ein Hersteller im Test positiv auf: Scicon liefert nämlich immer gleich eine Ersatzrolle mit. 

Auch beim Innenleben der Taschen und Koffer gehen die Lösungen der einzelnen Hersteller auseinander. Hier lautet eine Frage, die sich der Käufer stellen sollte: Mit Montagerahmen oder nicht? Diese Gestelle (links im Bild), auf die der Rahmen, konkret Gabel und Hinterbau, mit Schnellspannern gespannt werden, machen den Transport deutlich sicherer, kosten aber natürlich auch einen Aufpreis.

 

Wichtiger Hinweis für Fahrer mit großen Rahmen: Checken Sie bereits vor dem Kauf ab, ob das eigene Rad auch in Ihre Transportlösung passt. Gerade Koffer sind hier oft sehr knapp bemessen. Und: Wer hin und wieder nicht nur das Rennrad, sondern auch sein Mountainbike transportiert, sollte vorher zum einen die Taschen- oder Kofferform überprüfen, denn manche Teile sind speziell aufs Rennrad zugeschnitten. Andere wiederum sind für beide geeignet. Zum anderen sollte abgeklärt werden, ob man auch Räder mit Steckachse auf den Montagerahmen montieren kann. Das spart im Nachhinein viel unnötigen Ärger.  //

 

Rennrad richtig verpacken

Ein wichtiger Hinweis vor dem Kauf: Wer seine Sitzposition wissenschaftlich  vermessen gelassen hat, der fummelt nicht so gerne an der Satteleinstellung rum. Wer mit integrierter Stütze fährt, kann hier eh nichts machen. Es empfiehlt sich also, vor dem Kauf abzuklären, ob die Sattelstütze versenkt werden muss oder nicht. Dies ist aber von Koffer zu Koffer, von Rad zu Rad und Fahrer zu Fahrer verschieden.

- Bauen Sie die Laufräder aus und verpacken diese mit Luftpolsterfolie oder in den (integrierten) Laufradtaschen. Wichtig: Immer auch Luft aus den Reifen lassen! Und: Für außen liegende Laufradtaschen braucht es immer extra Schlösser.

- Bevor Sie die Laufräder verpacken, entnehmen Sie die Schnellspanner und verpacken diese extra.

- Sichern Sie die Ausfallenden, falls Ihre Tasche oder Ihr Koffer nicht über einen Montagerahmen verfügt.

- Wer auf Nummer sicher gehen will und nur eine Tasche besitzt, sollte das Schaltwerk demontieren. Umwickeln Sie dieses dann mit Luftpolsterfolie.

- Sichern Sie die Kettenstrebe mit Luftpolsterfolie. Fixieren Sie die Kette und die Kurbel mit Kabelbindern an der Kettenstrebe. Alternativ können Sie auch einen Antriebsschutz verwenden.

- Demontieren Sie die Pedale und verpacken Sie diese extra im normalen Koffer.

- Schieben Sie die Sattelstütze so weit wie nötig ins Sitzrohr oder entnehmen Sie sie ganz.

- Polstern Sie Unter- und Oberrohr, zum Beispiel mit Rohr-Isolierungen aus Schaumstoff. Entsprechendes Material findet man in jedem Baumarkt.

- Demontieren Sie Lenker und Vorbau, gegebenenfalls polstern Sie diese und fixieren die Einheit mit Kabelbindern an Ober- und Unterrohr. Fixieren Sie die Gabel (z.B. mit einem alten Vorbau), damit diese nicht nach unten rausrutschen kann.

- Verstauen Sie den gepolsterten Rahmen, Laufräder und Kleinteile in Tasche oder Koffer.

- Verschließen Sie die Tasche oder Koffer mit Sicherheitsschlössern.

- Achtung: Falls Sie CO2-Kartuschen transportieren wollen, prüfen Sie rechtzeitig, ob Ihre Fluggesellschaft dies erlaubt. Und: Helm, Brille, Bekleidung, Schuhe und Pedale im normalen Gepäck verstauen. Kommt das Rad nicht am Zielflughafen an, dann ist ein Ersatzrad zumindest an einschlägigen Radsportzielen nicht das Problem. 

 

 

Die Fluggesellschaften

Wir haben für Sie bei ausgewählten Fluggesellschaften nachgefragt und kommen zu folgendem Ergebnis: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Teils sind die Infos in den Geschäftsbedingungen verborgen, teils können Tarife aus fünf Zonen mit fünf dazugehörigen Tarifen kombiniert werden, teils zahlen Sie weniger, wenn Sie online vorreservieren, teils können Sie das Gewicht der Gepäckstücke kombinieren.

Die wichtigsten Infos in Kürze:

- Melden Sie das Rad vorher an.

- 30-32 Kilogramm ist die magische Grenze fürs Sportgepäck. Wer mehr auflädt, zahlt oft richtig drauf. Schummeln wird nicht empfohlen.

- Manchmal verlangt die Fluggesellschaft ein Gesamt-Packmaß. Teilen Sie dieses bei der Anmeldung genau mit.

- Die meisten Fluggesellschaften verlangen ihre Gebühren pro Strecke. Der angegebene Preis verdoppelt sich also immer. Wichtig für Umsteiger: Es wird bei einzelnen Gesellschaften noch „pro Strecke“ und „pro Richtung“ unterschieden. Wer zum Beispiel mit Lufthansa von Hamburg nach München und von dort weiter nach Kapstadt fliegt, zahlt nur eine Gebühr für den gesamten Hinflug und eine weitere Gebühr für den gesamten Rückflug. Fragen Sie zur Sicherheit aber bei Ihrer Fluggesellschaft nach.

 

 

Quelle: 

Foto: Jürgen Amann

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